Brand Space für normalis

Corporate Design wird Raum

Großformatige Raumgrafik im Kreativraum der normalis GmbH in Bremen

Für die Büroräume des Bremer Softwareunternehmens normalis sollte das bestehende Corporate Design eine räumliche Ebene erhalten.

Die Aufgabe bestand nicht darin, ein Logo oder einzelne Markenelemente auf eine Wand zu übertragen. 

Gesucht war eine Gestaltung, die aus der visuellen Sprache des Unternehmens ein eigenständiges Raumerlebnis entwickelt.

Kunde

Ort

Jahr

Kategorie

normalis GmbH

Bremen

2026

Brand Space / Raumgrafik

Wie wird Corporate Design räumlich?

Diese Frage stand am Anfang unseres Projekts für normalis. Das Bremer Softwareunternehmen hatte seinen Kreativraum bereits mit viel Sorgfalt und einem klaren Gespür für Atmosphäre eingerichtet. Auch das Corporate Design war im Raum präsent – in Textilien, Postern und ausgewählten Details. Was noch fehlte, war eine Ebene, die stärker mit dem Maßstab und der Architektur des Raumes arbeitete. Die Aufgabe bestand daher nicht darin, das vorhandene Interieur neu zu gestalten oder zu korrigieren. Vielmehr sollte die bestehende Atmosphäre um eine großformatige Raumgrafik erweitert werden. Die visuelle Identität von normalis sollte nicht nur in einzelnen Objekten erscheinen, sondern mit den Wandflächen in Beziehung treten und dadurch eine räumliche Präsenz entwickeln.

Wir begannen mit Analyse und Gesprächen: Welche Qualitäten waren bereits vorhanden? Wo konnte die Grafik daran anknüpfen? Wie wurde der Raum genutzt? Und welche Bestandteile des Corporate Designs eigneten sich für eine räumliche Weiterentwicklung? Darauf folgten Skizzen und digitale Entwürfe. Formen wurden zerlegt, neu kombiniert, verworfen und präzisiert. Aus vertrauten Markenelementen entstanden die Bausteine einer offenen Komposition. Erst danach begann die Arbeit an der Wand. Denn Corporate Design im Raum lässt sich nicht allein am Bildschirm entwickeln. Maßstab, Material, Licht und Blickrichtung verändern jede grafische Entscheidung.

Vom visuellen Regelwerk zum Raumerlebnis.

Corporate Design regelt das Zusammenspiel von Farben, Formen und Typografie auf digitalen oder gedruckten Medien. Architektur folgt anderen Bedingungen: Sie ist materiell, maßstäblich und wird nicht auf einen Blick, sondern in Bewegung und aus wechselnden Perspektiven wahrgenommen. Soll eine visuelle Identität in den Raum übertragen werden, genügt es daher nicht, vorhandene Markenelemente lediglich zu vergrößern. Die eigentliche gestalterische Leistung liegt in ihrer Transformation. Aus einem zweidimensionalen System muss eine Komposition entstehen, die auf Proportionen, Blickachsen, Licht, Oberflächen und die Nutzung des Ortes reagiert. Corporate Design wird damit nicht einfach auf Architektur appliziert, sondern in ihre Bedingungen übersetzt.

Die bestehende Atmosphäre weiterdenken.

Die Raumgrafik sollte nicht mit der vorhandenen Einrichtung konkurrieren, sondern sie auf einer weiteren gestalterischen Ebene ergänzen. Statt ein neues Thema in den Raum zu bringen, entwickelte sich die Gestaltung konsequent aus der spezifischen Formensprache von normalis. Das vorhandene grafische Vokabular bildete dafür den Ausgangspunkt: blockhafte Zeichen, pixelartige Staffelungen, organische Formen, offene Linien und expressive Konturen. Diese Elemente wurden aus ihren bisherigen Anwendungen gelöst und als räumliche Bausteine neu bewertet. Durch Vergrößerung, Anschnitt und Überlagerung entstand eine Komposition, die nicht mehr wie eine einzelne Illustration gelesen wird. 

Die Formen reagieren auf die Begrenzungen der Wand, setzen sich über das Blickfeld hinweg fort und bilden je nach Distanz und Standpunkt unterschiedliche Konstellationen. Die Architektur wird dabei zum Rahmen, zugleich wird dieser Rahmen durch die Grafik optisch erweitert. Aus dem Flur, durch die angrenzende Glaswand oder direkt im Raum entstehen jeweils andere Ausschnitte. Spiegelungen und Überschneidungen verändern die Wahrnehmung zusätzlich. Die Raumgrafik besitzt daher kein einziges verbindliches Bild. Sie erschließt sich schrittweise und bleibt auch bei wiederholter Betrachtung veränderlich.

Identifikation und Inspiration im Arbeitsalltag.

Ein Markenraum richtet sich nicht zuerst an Besucherinnen und Besucher, sondern an die Menschen, die täglich darin arbeiten. Während digitale Markenauftritte meist punktuell wahrgenommen werden, wird eine räumliche Gestaltung zum dauerhaften Bestandteil des Arbeitsumfelds. Mitarbeitende begegnen der Marke damit nicht nur in Präsentationen, Benutzeroberflächen, Postern oder Geschäftsausstattungen. Sie bewegen sich innerhalb ihrer gestalterischen Sprache. 

Das kann die Identifikation und Bindung an das Unternehmen unterstützen und einen gemeinsamen Bezugspunkt im Büro schaffen. Gerade in einem Kreativraum ist diese Wirkung relevant. Die Gestaltung gibt dem Ort eine zusätzliche visuelle Energie, ohne seine Nutzung festzulegen. Sie begleitet Workshops, Gespräche und informelle Begegnungen, kann neue Assoziationen anregen und unterschiedliche Blickwinkel eröffnen. Der Raum kommuniziert damit nicht nur nach außen, sondern wirkt als Teil der internen Unternehmenskultur.

Ein Raum mit kommunikativer Reichweite.
Ein prägnanter Innenraum existiert heute nicht nur physisch. Er erscheint auch in Fotografien, Videokonferenzen, Präsentationen, Recruiting-Materialien und Social-Media-Beiträgen. Aus der räumlichen Intervention entsteht eine wiedererkennbare Bildwelt, die ohne zusätzliche Inszenierung mit der Marke verbunden ist. Die Komposition wurde deshalb nicht ausschließlich als Gesamtansicht gedacht. Unterschiedliche Ausschnitte, Details und Blickrichtungen ergeben eigenständige Motive. Je nach Kameraposition treten geometrische, organische oder farbliche Elemente in den Vordergrund. So entstehen zahlreiche markentypische Hintergründe, die die visuelle Kommunikation von normalis um eine authentische räumliche Ebene erweitern.

Diese Social-Media-Tauglichkeit ist kein nachträglich hinzugefügter Effekt, sondern ergibt sich aus dem modularen Aufbau der Gestaltung. Die Raumgrafik funktioniert als physischer Ort und zugleich als Generator neuer Bilder. Sie unterstützt damit Employer Branding und Unternehmenskommunikation, ohne den Raum in eine Kulisse zu verwandeln.

Vom Zeichnen zur handwerklichen Umsetzung.
Mit der Freigabe des Entwurfs begann ein zweiter Übersetzungsprozess: vom kontrollierbaren Vektorbild zur gebauten Realität. Untergrund, Licht, Kanten und handwerkliche Toleranzen wurden nun zu aktiven Bestandteilen der Gestaltung. Die Grafik wurde direkt auf die vorhandene Raufasertapete übertragen. Dafür musste die Komposition in ausführbare Flächen und eine sinnvolle Abfolge von Arbeitsschritten zerlegt werden. Konturen wurden eingemessen, auf der Wand vorgezeichnet, abgeklebt und in mehreren Farbschichten aufgebaut.

Besonders an Übergängen, Rundungen und spitzen Winkeln galt es, die grafische Präzision an die unregelmäßige Struktur des Untergrunds anzupassen. Was in der digitalen Zeichnung vollkommen exakt erscheint, muss im realen Maßstab immer wieder geprüft und von Hand korrigiert werden. Für die Ausführung vor Ort stand ein Zeitfenster von drei bis vier Tagen zur Verfügung. Das erforderte eine genaue Produktionsplanung: Flächen, Farbreihenfolge, Trocknungszeiten und Arbeitsschritte mussten bereits vor Beginn aufeinander abgestimmt sein. Die kurze Ausführungszeit wurde so nicht zur Einschränkung, sondern zu einem Parameter der technischen und gestalterischen Planung.

Die Materialität der gemalten Fläche bleibt dennoch sichtbar. Gerade die Verbindung aus kontrollierter Geometrie und handwerklicher Ausführung verhindert, dass die Gestaltung wie ein reproduzierter Digitaldruck wirkt. Sie besitzt die Klarheit eines grafischen Systems und zugleich die physische Präsenz eines vor Ort entstandenen Unikats.

Vom Wandbild zum erweiterten Markenraum.
Im Verlauf des Projekts entstand aus vorhandenen und neu entwickelten Formen ein erweitertes visuelles Vokabular. Seine Elemente können isoliert, neu kombiniert, animiert oder auf weitere räumliche und kommunikative Anwendungen übertragen werden. Das Projekt endet daher nicht an den Grenzen der gestalteten Wand. Die Raumgrafik wird zum Ausgangspunkt eines Systems, das zwischen Architektur, digitaler Kommunikation und Unternehmenskultur vermittelt.

Sie ergänzt den bereits sorgfältig gestalteten Kreativraum um die bislang fehlende großmaßstäbliche Ebene der Marke. Dadurch wird die Identität von normalis räumlich erfahrbar, ohne das vorhandene Interieur zu überlagern. Das Ergebnis ist weniger eine dekorierte Bürofläche als eine Schnittstelle zwischen Marke und Alltag: ein Brand Space, der Atmosphäre, Identifikation, Inspiration und kommunikative Wiedererkennbarkeit miteinander verbindet.

Ein variables Grafiksystem.

Ausgangspunkt war das vorhandene grafische Vokabular von normalis. Ergänzt wurde es durch pixelartige Staffelungen und blockhafte Zeichen, die auf energetische Konturen, offene Linien und organische Formen treffen. Die ursprünglichen Elemente wurden dabei aus ihrem digitalen Zusammenhang gelöst, neu kombiniert und in den Maßstab der Architektur übersetzt.

Statt ein einzelnes Motiv lediglich zu vergrößern, entstand ein variables System. Formen werden angeschnitten, überlagert oder über die Fläche hinweg fortgeführt. Eine reduzierte, aus dem Corporate Design abgeleitete Palette aus Schwarz, Weiß, gedeckten Grüntönen und leuchtendem Gelb verbindet die unterschiedlichen Elemente. Der Kontrast zwischen präziser Geometrie und freien, beinahe zeichnerischen Formen verleiht der Gestaltung ihre Spannung.

Normalis – schneller Wechsel abstrakter Symbole Drei Positionen tauschen ihre Symbole ohne Überblendung zunächst schnell und anschließend immer langsamer aus. Fünf Kombinationen werden nacheinander gehalten und die Sequenz wiederholt sich.
Logo-Variation von normalis im erweiterten Corporate Design

Die Raumgrafik reagiert jetzt auf mehrere Blickrichtungen. Durch die angrenzende Glaswand ist sie bereits aus dem Flur sichtbar. Rahmen, Spiegelungen und Überschneidungen verändern das Bild abhängig vom Standpunkt. 

Blick durch die Glaswand in den normalis Kreativraum vor der großformatigen Wandgestaltung

Während der Entwicklung der Raumgrafik entstand ein erweitertes Formvokabular für normalis. Einzelne Elemente der großen Komposition wurden als eigenständige Module weiterentwickelt. Sie lassen sich neu kombinieren und auf weitere räumliche und kommunikative Anwendungen übertragen. So bleibt die Gestaltung kein singuläres Wandbild, sondern wird zum Ausgangspunkt eines wachsenden visuellen Systems.

Modulare Formstudie aus dem erweiterten Corporate Design von normalis

Eine Grafik, die in den Raum wirkt.

Aus der Distanz erscheint die Gestaltung als zusammenhängendes grafisches Feld; aus der Nähe werden einzelne Formen, Kanten und Farbübergänge lesbar.

Auch die vorhandene Oberfläche wurde Teil der Umsetzung. Das System wurde direkt auf die Raufaser übertragen, abgeklebt und in mehreren Farbschichten ausgeführt. Die unregelmäßige Wand verlangte eine Anpassung der präzisen Linien an den realen Untergrund. So behält die Gestaltung die Direktheit einer gemalten Fläche, ohne ihre grafische Klarheit zu verlieren.

Das Ergebnis ist keine dekorierte Bürowand, sondern ein räumlicher Ausdruck der Marke. Die digitale Identität von normalis erhält einen physischen Maßstab und wird zu einem sichtbaren Bestandteil des täglichen Arbeitsumfelds.

Fertig gestalteter normalis Kreativraum mit großformatiger Raumgrafik und Lounge-Möbeln
Abgeklebte Rundform und Vorzeichnung während der Ausführung der Raumgrafik
Türkisfarbene Linien der Wandgrafik hinter den Blättern einer Zimmerpflanze
Schwarz-Weiß-Aufnahme der großformatigen Raumgrafik während der Umsetzung im normalis Office

Aus der schlichten weißen Wand ist nun ein echtes Statement Piece geworden, das unser Bürokonzept perfekt abrundet und dem Raum eine ganz besondere Atmosphäre gibt!

Nadine Geschonke
normalis GmbH

Konzept und Gestaltung

Planung und Realisierung

Fotografie

Interior

Farbsystem

Jahr

supergraphic

Tobias Kroeger

Alexander Fanslau

Nadine Geschonke

Brillux

2026